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Über El Salvador hört man heutzutage nicht mehr viel und wenn man was hört, dann heißt es meistens, dass es zu den gefährlichsten Ländern Mittelamerikas gehört. Seitdem der Bürgerkrieg im Land vorbei ist, ist es relativ ruhig um El Salvador geworden und das hat dem Land mit Sicherheit gut getan. Wir haben alle Warnungen und Spekulationen ignoriert und wollten uns unser eigenes Bild machen. Und wir wurden nicht enttäuscht.

Unsere ersten positiven Erfahrungen haben wir bereits beim Grenzübertritt gemacht. An der offenen Grenze muss man seinen Pass lediglich einmal einem Beamten vorzeigen und kann ohne weiteren Schnickschnack durchmarschieren. Leider bedeutet dies auch, dass man keinen Einreise- bzw. Ausreisestempel erhält und wir nun einen kleinen Schönheitsfehler in unserer mittlerweile relativ langen Stempelserie haben. Auch in Honduras gab es bereits keine Stempel. Der Grund dafür ist das CA-4-Abkommen zwischen Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua, was einem das freie Reisen innerhalb dieser Länder ermöglicht.
Auch die ersten Kontakte mit Einheimischen ließen auf nette und offene Menschen schließen, etwas, was wir in Honduras sehr vermisst haben.

Unser erster Stopp war La Palma, einem kleinen Künstlerort kurz hinter der Grenze. Da es in La Palma nicht viel zu sehen gab, außer viele bemalte Hauswände, ging’s am nächsten Tag direkt weiter nach San Salvador, der Hauptstadt des Landes. San Salvador ist eine Millionenstadt mit vielen Gesichtern. Sehr auffällig sind die verschiedenen Bevölkerungsschichten, die hier nebeneinander oder besser gesagt aneinander vorbei leben. Von wirklich arm bis mehr als richtig reich gibt es hier alles. Während die einen auf dem Wochenmarkt um jeden Cent feilschen, genießen die anderen jeglichen Luxus, den wir von zu Hause gewohnt sind. Dicke Autos, Kinos, Einkaufszentren, Vergnügungsparks und Markenläden. Wir haben so gar einen amerikanischen Piloten getroffen, der Privatchauffeur für eine einzige Familie spielt. Allerdings nicht im Auto, sondern in einem 7-sitzigen Privatjet. Wochenendausflüge nach Ecuador, Kolumbien oder Miami sind dabei keine Seltenheit!
Auch wir haben ein wenig den Luxus genossen und haben uns Ice Age 3 im Kino angeschaut, waren im Museum und sind durch verschiedenste Einkaufszentren geschlendert. Natürlich haben wir uns auch unter das ärmere Volk gemischt und dazu brauchte man nur ins echte Stadtzentrum fahren, wo sich die Arbeitslosen auf dem Hauptplatz tummeln und die fleißigen Arbeiter versuchen ihre Waren auf dem Markt loszuwerden.

Nach 4 Tagen faszinierender Eindrücke haben wir uns dann wieder weiter bewegt und sind Richtung Nordwesten nach Santa Ana gefahren, der zweitgrößten Stadt. Allerdings ist diese Stadt im Vergleich zu San Salvador klein, gerade mal 180.000 Seelen nennen diesen Flecken ihr zu Hause. Auch Santa Ana hat ihre schönen und nicht so schönen Seiten, doch insgesamt waren wir erneut positiv überrascht. Eine wunderschöne Kathedrale und viele kleine, enge Straßen haben uns einen wirklich schönen Tag in Santa Ana beschert.

Da es uns aber irgendwie wieder in Richtung Natur zog und wir genug Städte gesehen hatten, verließen wir Santa Ana bereits am nächsten Tag und fuhren nach Tacuba im Westen des Landes. Tacuba ist ein kleines Bergdorf am Rande des Nationalparks „El Imposible“, in dem es nur eine für uns in Frage kommende Unterkunft gibt. Mama und Papa führen das gleichnamige „Hostel Mama y Papa“ und versorgen einen mit allem was das Herz begehrt. Manolo, der Sohn der beiden, bietet Touren in den Nationalpark an und wir hatten Glück, die mit Abstand spektakulärste und abenteuerlichste Tour mitmachen zu können. „Las Cascadas“ ist eine Tour, bei der man einem kleinen Fluss folgt, der sich durch schmale Schluchten quetscht und in sieben aufeinander folgenden Wasserfällen Richtung Tal stürzt. Die Natur hat einen atemberaubenden Spielplatz geschaffen, wo das Adrenalin nicht nur einmal den Pulsschlag schneller schlagen lässt. Wenn man sich traute, wurden die meisten Wasserfälle mit einem Sprung ins angenehm kalte Wasser überwunden. Wem die teilweise bis zu 10m tiefen Sprünge zu hoch waren, durfte sich an einem Seil abseilen lassen. Leider gibt es von diesem Abenteuer nur wenige Fotos, da wir noch keine wasserresistente Kamera haben. 😉

Von Tacuba sind wir nach Apanecá gefahren, einem verschlafenen Örtchen auf der „Ruta de las Flores“. Dieser 36km lange Straßenabschnitt zwischen Ahuachapan und Sonsonate gilt als eines der touristischen Highlights im Lande. Eine halbstündige Runde durch den Ort reichte um alles gesehen zu haben und deswegen machten wir uns auf einen etwas längeren Spaziergang zu den „Crater Lakes“ auf. Früh stellten wir fest, dass wir uns für einen von den beiden Seen entscheiden mussten, da sich die unbefestigte Straße teilte. Auf Empfehlung von Einheimischen entschieden wir uns für „Laguna Verde“. Unser Spaziergang wurde nach wenigen 100 Metern zu einer Pick-up-Fahrt und so mussten wir die 4-5km nicht eigenständig zurücklegen. Der See ist eine kleine Oase in einem nicht mehr aktiven Vulkan und lädt zum entspannen ein. Auch zurück wurden wir wieder von einem Einheimischen die gesamte Strecke auf der Pick-up-Ladefläche mitgenommen und sind somit gleich zweimal um unseren Spaziergang gebracht worden. 😉

Von Apanecá ging’s nach Juayua, dem nächsten Ort auf der Ruta de las Flores. Juayua ist nicht ganz so verschlafen wie Apaneca und vor allem am Wochenende ist hier die Hölle los. Jedes Wochenende findet in Juayua eine „Food Fair“ statt und die gesamte Gegend um den Dorfplatz ist mit Essensständen voll gestopft, wo man eine für Zentralamerika sehr untypische Anzahl von Gerichten vorfindet. Die zentralamerikanische Küche ist normalerweise eher sehr dürftig und besteht meistens aus Reis, Hühnchen und Bohnen. Wir waren dankbar für die Abwechslung und gönnten uns nicht nur einmal ein etwas nahrhafteres Essen. 😉
Juayua ist uns aber nicht nur wegen des aktiven Wochenendes und den damit verbunden Köstlichkeiten ans Herz gewachsen. Ein junges dänisch-el salvadorianisches Pärchen hat hier eine der besten Unterkünfte in Zentralamerika geschaffen. Eine kleine Bachpackeroase, in der man den ganzen Tag verbringen kann ohne auch nur den Drang zu verspüren einen Fuß vor die Tür zu setzen. Wir blieben drei Nächte und wären am liebsten noch viel länger geblieben, aber wir sind ja nicht zum Spaß hier. 😉

Uns nächstes Ziel waren die Strände an der Pazifikküste El Salvadors. Wir wussten, dass wir nicht zu viel erwartet durften, da sich die Strände besser zum surfen eignen als zum sonnenbaden. Trotz der niedrigen Erwartungen waren wir dennoch enttäuscht, so dass uns so gar unsere Ambitionen einen Surfkurs zu machen flöten gingen. Nachdem wir die Gegend um El Tunco und die nahe gelegene Stadt La Libertad ausgekundschaftet hatten, verbrachten wir noch einen vollen Tag in unserer Unterkunft am Pool und ließen es uns gut gehen, bevor wir einige sehr aktive und ereignisreiche Tage erleben sollten.

Von El Tunco fuhren wir quer durchs Land Richtung Nordosten nach Perquin. Perquin war ein wichtiger Ort während des Bürgerkrieges und ist ein Muss, wenn man sich ein wenig über Diesen informieren möchte. Wir besuchten das ortsansässige Museum, das heute genau da steht, wo früher geheime Treffen der Gegenbewegungen stattfanden. Auch Radio Venceremos, das während des Krieges durchgehend sendete und zur Revolution ermutigte, saß hier in den Bergen Perquins. Zudem ist die Gegend mit Bombenkratern übersäht und es wurden Gedenkstätten errichtet, die an das Massaker von 1981 erinnern, bei denen über tausende brutal hingerichtet wurden. Nach eineinhalb Tagen deprimierendem Geschichtsunterricht hieß es dann Abschied nehmen von El Salvador.

Unser nächstes Ziel war Nicaragua, genauer genommen die Stadt Chinandega. Um von El Salvador nach Nicaragua zu gelangen, mussten wir  erneut einen kleinen Teil Honduras passieren. Dieses Vorhaben wurde allerdings schon kurz nach der Grenze gestoppt. Wir saßen bereits in einem Minibus, der uns auf direktem Wege durch Honduras an die Nicaraguanische Grenzstadt Guasaule bringen sollte. Unglücklicherweise hatten wir uns genau den Tag ausgesucht, an dem Zelaya, der Ex-Präsident Honduras, der sich immer noch in Nicaragua aufhielt, versuchen wollte in sein Heimatland zurückzukehren. Diese Tatsache veranlasste die Gegner Zelayas wieder auf die Straße zu gehen und zu protestieren. Der Transport war erneut lahm gelegt und wir saßen ein wenig hilf- und ideenlos am Bus-Terminal rum. Wie aus dem Nichts tauchte dann allerdings ein kleiner 10-jähriger Junge (Brian) mit seinem Vater auf und fragte uns in perfektem Englisch, was wir jetzt vorhätten und im nächsten Moment wurden wir zu ihnen nach Hause eingeladen. Da uns nichts Besseres einfiel und unsere mittlerweile gute Menschenkenntnis nicht davon abhielt, nahmen wir das Angebot dankend an. Erst zu Fuß und dann mit dem Taxi ging es in den etwa 3 Kilometer entfernten Ort Goascoran, den wahrscheinlich noch nie ein Reisender zuvor betreten hat. Wie es der Zufall wollte, war die Familie aus Nicaragua und somit sollte sich unser Eindruck von Honduranern doch nicht mehr ändern. Dafür bekamen wir schon mal einen Vorgeschmack von nicaraguanischer Gastfreundschaft. Die Familie ist vor knapp 6 Monaten aus arbeitstechnischen Gründen nach Honduras gekommen und lebte davor auf den Corn Islands vor der Karibikküste Nicaraguas. Die Corn Islands gehören zu Nicaragua und haben, wie die meisten karibischen Inseln Zentralamerikas, britischen Einfluss, was auch der Grund ist, warum Brian und seine Mutter fließend Spanisch und Englisch sprechen. Der Vater ist ursprünglich aus Managua, der Hauptstadt Nicaraguas und spricht eher kein Englisch.
Da wir noch früh am Tag hatten, zeigte uns Brian das gesamte Dorf und den gleichnamigen Fluss, in dem wir uns abkühlten, bevor es auf den Bolzplatz zum Fußball spielen ging. Nachdem Cans Kondition, die nach zehn Monaten nicht mehr die Beste ist, ausgereizt war, wurde der Abend mit einer langen Unterhaltung auf dem Fußboden verbracht. Brian lebt mit seinen Eltern in einem Zimmer. Die Mutter schläft im einzigen Bett, der Vater in einer Hängematte und Brian auf einer Matratze auf dem Boden. Wir gesellten uns auf unseren aufblasbaren Camping-Matratzen dazu und genossen die Gastfreundschaft einer ganz besonderen Familie.

Am nächsten Morgen ließen die Nachrichten verlauten, dass die Straßen, trotz gescheiterter Rückkehr Zelayas, wieder frei wären und wir versuchten unser Glück. Tatsächlich fuhren die Busse und wir kamen ohne weitere Schwierigkeiten bis nach Guasaule, wo wir allerdings eine geschlossene Grenze vorfanden. Da keiner so recht bescheid wusste, warum die Grenze überhaupt geschlossen war und wann sie vor allem wieder geöffnet werde würde, gesellten wir uns zu den anderen bereits Wartenden. Wir saßen knapp 5 Stunden auf der Stelle bis die Grenze, aus welchen Gründen auch immer, abends um 6 Uhr auf einmal wieder geöffnet wurde. Natürlich ließen wir uns nicht ein zweites Mal auffordern und passierten die Grenzpassage im Schnellschritt. Willkommen in Nicaragua!!!!!!!

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